Warum immer mehr Schweinfurter zur Schuldnerberatung gehen

Das Schweinfurter Tagblatt interviewte für die Ausgabe vom 29. April 2026 Angelika Balko, Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung.
Im Rahmen dieses Gesprächs gab die Wirtschaftsjuristin Einblicke in die aktuelle Situation der Beratungsstelle am Schweinfurter Fischerrain 2. Sie berichtete, dass die Nachfrage nach Beratungsangeboten in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen ist. Allein im Vergleich von 2024 auf 2025 kamen 14 Prozent mehr Klientinnen und Klienten – ein Trend, der sich weiter fortsetzt.
Als zentrale Ursachen für den gestiegenen Beratungsbedarf benannte Angelika Balko die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Höhere Ausgaben für Miete, Energie und Lebensmittel führten dazu, dass immer mehr Menschen ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig erfüllen könnten.
Auch digitale Konsumangebote spielten eine Rolle. Durch Online-Shopping und flexible Zahlungsmodelle wie „Buy now, pay later“ steige das Risiko, finanzielle Verpflichtungen aus dem Blick zu verlieren. Gerade jüngere Erwachsene seien hiervon überdurchschnittlich betroffen.
Überschuldung als Folge persönlicher Krisen
Angelika Balko unterstrich, dass Überschuldung in den seltensten Fällen auf einzelne Fehlentscheidungen zurückzuführen sei. Häufig seien es einschneidende Lebensereignisse wie Krankheit, Trennung oder Arbeitslosigkeit, die in Kombination mit wirtschaftlichen Belastungen zu einer finanziellen Krise führten. Besonders gefährdet seien Menschen, die durch Krankheit, Trennung, Arbeitslosigkeit und andere Schicksalschläge mehrfach belastet sind.
In ihrer Beratungstätigkeit setzen Angelika Balko und ihr Team auf einen strukturierten Ablauf und klare Priorisierungen. Nach einer ersten Klärung der finanziellen und sozialen Lage hat die Sicherung der Existenz - von Miete, Heizung, Strom und Lebensmitteln - Vorrang. Im Anschluss gelte es, passende Pläne für die Zukunft zu entwickeln. Diese könnten etwa Vereinbarungen über Ratenzahlungen oder eine Privatinsolvenz beinhalten.
Wichtig sei es in der Beratung immer, individuell und ganzheitlich vorzugehen, betonte Angelika Balko. Ziel sei es, gemeinsam mit den Betroffenen tragfähige Lösungen zu entwickeln, Perspektiven aufzuzeigen und sie sowohl finanziell als auch persönlich zu stabilisieren.
Das ganze Interview mit Angelika Balko finden Sie auf der Website der Mainpost (MP+).